DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

ROMANTISCHE OPER IN DREI AUFZÜGEN VON RICHARD WAGNER


ERSTER AUFZUG

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ZWEITER AUFZUG

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DRITTER AUFZUG

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Fotos © Tom Schulze 2019


PRODUKTION
 

Oper Leipzig
Intendant: Prof. Ulf Schirmer
Premiere: 30. März 2019

Musikalische Leitung: Ulf Schirmer
Inszenierung / Bühnenbild: Michiel Dijkema
Kostüme: Jula Reindell
Licht: Michael Fischer
Dramaturgie: Elisabeth Kühne

Senta: Christiane Libor
Mary: Karin Lovelius
Daland: Randall Jakobsh
Erik: Ladislav Elgr
Der Steuermann: Dan Karlström
Der Holländer: Iain Paterson

Gewandhausorchester
Opernchor, Zusatzchor und Komparserie der Oper Leipzig


PRESSESTIMMEN

„erstklassige Arbeit […] Dijkema federt die partiell überbordende realistische Üppigkeit seiner Bühnenwelten immer wieder ab mit beinahe karger Reduktion“

Schauerromantik in eindrucksvollen Bildern: Der neue „Holländer“ in Leipzig.
[…] Hier, wo das Verderben der einen die Erlösung der anderen erst ermöglicht, entsteht Romantik – Schauerromantik sogar, um präzise zu sein. Das nun ist Michiel Dijkema, der als Regisseur und Bühnenbildner in Leipzig von Rossini bis Puccini, von Gounod bis Dvorák bereits zahlreiche Erfolge einfuhr, eine Spur zu simpel. Darum lässt er auch das diesseitige norwegische Personal mit mindestens einem Bein im Jenseits stehen. Folglich, muss die Welt, mit der diese kollidiert, noch eine andere sein. Es ist dies, und das ist eine grandiose Idee des Regisseurs, die der Kunst im Allgemeinen und die des Theaters im Besonderen. Die der feinen ironischen Kunst des Heinrich Heine, in dessen „Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“ Wagner den Holländer-Stoff kennenlernte. Und die des Theaters, in dem Heine die Geschichte erzählen lässt, weil es auf der Bühne gerade klemmt. Diese Welt, sie ist bei Dijkema, dem Bühnenbildner, in den allerbesten Händen: Von der sinnlichen Selbstertüchtigung des Theaterraums während der Ouvertüre bis zum Überrumpelungs-Coup des Holländer-Schiffs nach der Pause sind die Bilder dieser Produktion immer wieder für Ahs und Ohs gut. Beim Schiff, das sich mit seinen blutroten Segeln aus dem Nebel heraus bis über die siebte Reihe des Parketts schiebt, reicht die Begeisterung sogar für ausführlichen Szenen-Applaus.
[…] Michiel Dijkema hat also eine erstklassige Arbeit abgeliefert, auch und vor allem, weil er die partiell überbordende realistische Üppigkeit seiner Bühnenwelten immer wieder abfedert mit beinahe karger Reduktion. […] die Überrumpelungskraft der Musik und der Bilder, die Dijkema dazu fand, ist so unwiderstehlich, dass ein großer Teil der knapp drei Bruttostunden wie im Flug vergeht.

Peter Korfmacher
Leipziger Volkszeitung
31. März 2019

„Dijkema lässt in seiner Inszenierung Oper und Novelle miteinander verschmelzen. […] Die Figurenführung ist schlüssig.“

Es gibt ihn wirklich: „Der Fliegende Holländer“ erobert als bildgewaltiges Spektakel die Oper Leipzig
„Blutrot die Segel, schwarz der Mast“, beschreibt Senta in ihrer Ballade das Schiff des bleichen Seemanns, der verflucht ist, nur alle sieben Jahre an Land gehen zu dürfen, bis ihm eine Frau Treue bis zum Tod schwört. Was in den meisten Opernhäusern, wenn überhaupt, nur angedeutet wird, erscheint in Leipzig in ganzer Pracht. Während Dalands Männer noch enthusiastisch feiern, erwacht des Holländers Geistermannschaft zum Leben, besteigt ihr Gespensterschiff, das sodann hinein in den Zuschauerraum segelt. Die Aufbauten thronen über den ersten sieben Reihen. Die Zuschauer sind begeistert, zücken ihre Smartphones, spenden Szenenapplaus.
Dijkema, der das Werk bereits 2014 in Wiesbaden inszenierte, übt sich an einem neuen Ansatz. […] Der Komponist selbst räumte anfangs ein, auf den Mythos durch Heines „Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“ aufmerksam geworden zu sein, eine kurze Novelle, die keinesfalls zur Schullektüre zählt. Der Heine-Text zieht sich in Gestalt von Projektionen als roter Faden durch den Abend. Die Ähnlichkeiten zu Wagners Libretto sind frappierend. […] Dijkema lässt in seiner Inszenierung Oper und Novelle miteinander verschmelzen. […] Konzeptionell bleibt der Regisseur Dijkema dem traditionellen Erzähltheater verbunden. Visuell verortet er die Oper in ihrer Entstehungszeit. Hingucker gibt es viele […] Dijkema komponiert eine Fülle an sich aneinanderreihenden Tableaus. Die Figurenführung ist schlüssig. Die Auf- und Abgänge des im Übrigen herausragenden Chores verlaufen flüssig und wirken keinesfalls gekünstelt. […] diese Produktion wird ein Erfolg werden.

Martin Schöler
Leipziger Internet-Zeitung
31. März 2019

„Tosender Applaus für die poetisch märchenhafte Inszenierung […] kühne Theaterbilder samt ironisch literarischer Brechung […] ein klug inszenierter Opernabend“

Tosender Applaus für die poetisch märchenhafte Inszenierung und das wahrlich spektakuläre Bühnenbild von Michiel Dijkema. […] Spontan beklatschter Höhepunkt des Abends ist das Auftauchen des rotbesegelten Geisterschiffs im dritten Akt, das über den Orchestergraben hinweg bis weit in die Mitte des Parketts vorstößt. Ein Triumpf der Haustechnik. Kühne Theaterbilder samt ironisch literarischer Brechung durch Einbindung von Elementen aus Heines Fabel vom Fliegenden Hollaender aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski ergeben einen klug inszenierten Opernabend, der seine Referenzen bei Weber und Marschner findet.

Ingobert Waltenberger
Online Merker
30. März 2019

„eine gute Einstiegsdroge – um Wagner im Stile des ganz großen Kinos neu unters Volk zu bringen“

Die Oper Leipzig hat Richard Wagners Oper über den fliegenden Holländer als eine Art Zaubertheater auf die Bühne gebracht: mit einem riesigen Dreimaster und meterlangen Pottwalen. Dieses naturalistische Bühnenbild begeistert […]
Der Niederländer Michiel Dijkema ist für sein starkes Bildertheater bekannt. In Leipzig machte er zuletzt mit „Rusalka“ von sich reden, als er eine riesige hühnerbeinige Hütte auf der Bühne brachte. Beim Fliegenden Holländer (wo er für Regie und Bühnenbild zuständig ist) geht Dijkema bei der Ausstattung nun so richtig in die Vollen […]
Am Ende des Abends lässt er einen portalfüllenden Dreimaster in den Zuschauerraum schieben, dessen Bugspriet über den Orchestergraben und das Parkett in den Raum ragt: Das ist schlicht überwältigend. Auch drei Pottwale, von denen der längste acht Meter misst, kommen zum Einsatz.
Zu diesem naturalistischen Bühnenbild, kommt noch eine zweite, grafische Ebene: Der Text der „Holländer“-Sage wird auf ein großes Segel projiziert, dazu sieht man alte Drucke von gestrandeten Pottwalen oder auch von einem Theatersaal. Eine dritte Ebene bildet die gesamte Theatermaschinerie ab: Die Scheinwerfer oder die Zugstangen aus dem Schnürboden sind immer präsent.
[…] Am Ende der Premiere gibt es großen Applaus und wenig Buhrufe. Mit dieser Überwältigungsdramaturgie ist die Inszenierung unterm Strich auch eine gute Einstiegsdroge – um Wagner im Stile des ganz großen Kinos neu unters Volk zu bringen.

Stefan Petraschewsky
MDR Kultur
31. März 2019

„eine in keiner Sekunde langweilige Inszenierung“

Geradezu poetisch gerät der Auftritt des Holländers, der durch eine gemalte Rückwand auf die Szene kommt und Senta schon heimlich beobachtet, bevor Daland sie ihm vorstellen kann. […] Das derbe Fest wird durch den „Star“ des Abends abrupt gestoppt: Das gigantische Holländer-Schiff wird an die Rampe geschoben und reicht mit seinem Bugspriet-Segel locker bis in die siebente Reihe. Zu den Bewegungen des Schiffes im Zuschauerraum entfacht die Mannschaft an den Lunten der Bordkanonen einen zusätzlichen Feuerzauber, der das Publikum zum Zücken der Handys und zu Szenenapplaus animierte. Der Freundeskreis der Leipziger Oper hatte zwei Jahre lang für dieses 100.000-Euro-Boot gesammelt […] die Inszenierung wird lange im Spielplan bleiben und viele Neugierige anlocken […] Am Schluss gab es in Leipzig einen nur von wenigen Buhs durchsetzten Applaussturm für eine ungewöhnliche, diskussionsanregende, aber auf jeden Fall in keiner Sekunde langweilige Inszenierung.

S. Mauß
Das Opernglas
05/2019

„Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner stellt erneut sein Können unter Beweis, einen Theaterraum durch technische Raffinessen und kühne Kunstgriffe zum phantastischen Wunderkabinett zu verwandeln.“

Ein echter Holländer
Die Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ hierfür legte nun der in Leipzig bereits zum fünften Mal Regie führende Michiel Dijkema vor – und das mit großartigem Publikumserfolg. Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner stellt erneut sein Können unter Beweis, einen Theaterraum durch technische Raffinessen und kühne Kunstgriffe zum phantastischen Wunderkabinett zu verwandeln. […] Richard Wagner dienten als Inspiration für den 'Fliegenden Holländer' neben einer eigenen Seereise ganz besonders Heines 'Memoiren des Herren von Schnabelewopski'. Deren Protagonist beschreibt unter anderem eine Theateraufführung des Holländer-Stoffs in Amsterdam. Dijkema kehrt dieses Verhältnis gewissermaßen um, lässt Ausschnitte der 'Memoiren' als Textprojektionen das Bühnengeschehen kommentieren und ergänzen. Zugleich referenziert die Szene Handlungselemente der Heine-Vorlage. Die holländische Blondine etwa, die Schnabelewopski während seines Theaterbesuchs mit Orangenschalen bewirft, materialisiert sich als ‚Mädel‘, das der Steuermann träumerisch besingt. Ein Geflecht von Geschichten formt eine Schichtung von Erzählebenen. Prägnant ist die humoristische Note, die Dijkema einstreut.

Theo Hoflich
Klassik.com
30. März 2019

„Die Inszenierung hat wegen ihrer Originalität und optischen Atouts alles Zeug, zu einer Theaterlegende zu werden.“

[…] Damit diesmal alles anders wird, hat man Regisseur Michiel Dijkema verpflichtet, der in Leipzig bereits mit seinen Arbeiten zu „Tosca“, „Faust“ und „Rusalka“ reüssierte, und sich um ein beeindruckendes, noch nie da gewesenes Bühnenbild bemüht. […] Michiel Dijkema erzählt von zwei Liebesgeschichten, teuflischen Intrigen, Gespenstern und norwegischen Dörfern, von der Suche nach Heimat, genüsslicher Ironie und einem die Urgewalten der Natur spielenden Theaterzauber. Dabei belässt Dijkema die Geschichte in seiner Entstehungszeit in den 1840er Jahren und hat sich dazu auf Quellensuche gemacht. […]
Dijkema zeigt alle Mittel der heutigen Möglichkeiten einer modernen Bühne (Drehtechnik, Hydraulik, Licht, Projektionen, Prospekte, Illusionstricks). Den gewaltigsten Vogel schießen zwei Effekte ab: 1) Im dritten Akt fährt doch tatsächlich ein gewaltiges Holzschiff mit blutrot aufgeblähten Segeln auf die Bühne und weit über den Orchestergraben bis über die Köpfe des Publikums hinweg bis in die Mitte des Parketts. Ob solcher staunenswerter Erfindung gibt es spontan Szenenapplaus für die gelungene Überwältigung. 2) Ganz am Schluss entschwindet Senta auf der Takelage in den Bühnenhimmel, nur um kurz darauf tot auf dem Bühnenboden aufzuprallen. Die ,echte‘ Senta liegt da auf einmal am Boden. Dass vorher eine zum Verwechseln ähnliche Puppe hochgezogen wurde, habe ich nicht bemerkt. Danach implodiert der Holländer wirkungsvoll zu Staub, ohne dass man gesehen hätte, dass der Sänger vorher verschwunden ist. Wow!
An Theaterzaubereien ist weiters von drei riesigen Walen zu berichten, die am Strand des Dorfes gestrandet sind. Der Holländer schneidet aus dem Bauch eines der Tiere der Holländer seine Schätze, die er vor Daland ausbreitet. Die „Stube“ im zweiten Akt trägt dem Industriezeitalter Zoll. In einer Spinnereifabrik hängen überlebensgroße Seidenkokons von der Decke. Riesige Maschinen drehen sich, eine gigantischer Schmetterling in rot wird auf die Hinterbühne projiziert.
[…] Dijkemas Ansatz überzeugt, nicht zuletzt wegen der unglaublichen Poesie des Gezeigten, aber auch weil er die Beziehung zwischen Senta und dem Holländer neu deutet. Der niederländische Regisseur zeigt uns eine veritable Liebesgeschichte. „Er liebt sie und will sie verlassen, um sie nicht ins Verderben zu ziehen“, wusste schon Heine. […] Die Inszenierung hat wegen ihrer Originalität und optischen Atouts alles Zeug, zu einer Theaterlegende zu werden.

Ingobert Waltenberger
Online Merker
31. März 2019

„ein weiteres Zugpferd im Spielplan“

Auf den Spuren von Heines „Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“
Um Richard Wagners für Leipzig unverzichtbare romantische Oper Der fliegende Holländer wieder würdig im Spielplan implantieren zu können, hatte man den holländischen Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema für diese Neuinszenierung gewonnen. Er hat an der Oper Leipzig schon mehrfach gearbeitet; 2013 lieferte er im Hessischen Staatstheater Wiesbaden eine hochgelobte Holländer – Inszenierung ab. […] Die Annäherung an Heines Beschreibung einer Theateraufführung im Amsterdam des Jahres 1831 behielt dann die Regie über den Abend konsequent bei […] Somit war logischerweise für den zum Teil aufwendigen Bühnenaufbau von Michiel Dijkema und die opulenten Kostüme von Jula Reindell der historische Zeitbezug vorgegeben. So spielte der erste Akt auf dem Ufer, an dem nicht nur die Schiffe gestrandet, sondern auch verendete Wale angespült waren. […]
Die konsequente Orientierung an Zeit und Ort ermöglichte auch eine schlüssige Gestaltung des zweiten Aktes, denn das holländische Leiden war zu dieser Zeit ein Zentrum der europäischen Textilindustrie, so dass Dijkema die Spinnstuben –Szene in eine Werkhalle einer Spinnerei verorten konnte. […] Die bei den meisten Holländer-Inszenierungen gestrichenen Akt-Schlüsse hatte der Regisseur bewusst beibehalten. […] Aus der Verspottung der „untoten Matrosen“ im dritten Akt entwickelte sich ob deren Wut eine spontane Bewegung ihres Schiffes. Auf der Bühne erschien das massiv aus Holz und Stahl erbaute Holländerschiff mit seinen blutroten Segeln. Ein Monstrum von 20 Metern Länge, sechs Meter Breite und 12 Metern Höhe schob sich über den Bühnenrand mit seiner Galion-Spitze bis über den Zuschauerbereich der siebten Reihe und schwenkte über die Köpfe der begeisterten Besucher.
[…] die Oper Leipzig erhält mit der seit 1862 elften Inszenierung des Fliegenden Holländers ein weiteres Zugpferd im Spielplan.

Thomas Thielemann
IOCO
1. April 2019

„bewusst gesuchte Entfernung zu einer psychologisierenden Spurensuche nach einem möglichen Gegenwartsbezug“

Ab dem zweiten Blick ist dieser neue „Fliegende Holländer“ in Leipzig ein ziemlich klares Statement. Die Scheinwerferbatterien, die zu den ersten Sturmböen aus dem Graben, das Publikum aus der Tiefe der leeren Bühne blenden und jene, die langsam und effektvoll Richtung Schnürboden wogen, verheißen zunächst eine Art von Abstraktion, die dann demonstrativ vermieden wird. Was fortan von oben kommt sind Segelprospekte. Auf denen kann man meist Teile von Heinrich Heines „Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“ mitlesen, die für Wagner, neben der im doppelten Wortsinn stürmischen Ostsee-Erfahrung bei der Flucht aus Riga, die zweite entscheidende Inspiration für seinen „Holländer“ war. Dazu kommen drei riesige gestrandete Wale, in deren Inneren sich die glitzernden Schätze des Geisterfahrers befinden, eine überdimensionale Bühnen-Apparatur zum Spinnen für Frau Mary und ihre Frauen, und schließlich ein Bett für Senta und den Holländer. Der Star des Abends ist aber das Schiff des Holländers mit einem kurzen Auftritt nach der Pause im dritten Akt. In Bühnengröße, mit rotleuchtenden, geblähten Segeln und einem Schwenk der bis über die siebente Parkettreihe reicht. Samt Kanonen, deren Zündschnüre schon Funken sprühen.
[…] in der grandios gelungenen Anfangsszene, wo die Bühnentechnik alle Hub- und Drehregister zieht und genau den Ton trifft, der aus dem Graben kommt. Oder überwältigt wie beim spektakulären Showauftritt des Seglers. […] bewusst gesuchte Entfernung zu einer psychologisierenden Spurensuche nach einem möglichen Gegenwartsbezug dieser Geschichte von Außenseitertum und fixer Idee
[…] Von dem Geisterkahn mit den roten Segeln wird wohl jeder erzählen. Der war nicht, der bleibt erstmal.

Roberto Becker
Concerti
31. März 2019

„Dunkles Spiel von Sehnsucht und Erlösung […] ein Psychogramm zweier zerstörter Seelen steht im Vordergrund der Inszenierung“

Dunkles Spiel von Sehnsucht und Erlösung
[…] Die Premiere der Leipziger Neuinszenierung von Richard Wagners Frühwerk hält der hohen Erwartungshaltung stand. Denn Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema, dem Leipziger Publikum durch seine bildgewaltigen Inszenierungen von Tosca, Faust und Rusalka sehr vertraut, macht auch mit dieser Inszenierung seinem Ruf alle Ehre. Wie immer arbeitet Dijkema eng an der Wagnerschen Partitur, bezieht in seine Recherchen aber nicht nur die autobiografisch erzählte stürmische Seefahrt Richard Wagners 1839 von Riga nach London ein, die ihn nachdrücklich zu der Bearbeitung dieses Stoffes animiert hat, sondern auch Heinrich Heines Fabel vom Fliegenden Holländer aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski. So erscheint der Holländer einerseits als romantisches Theaterstück, in dem mit eingeblendetem Heineschen Text der Zuschauer eher die Perspektive von Schnabelewopski einnimmt. Gleichzeitig ist das Werk für Dijkema eine Oper mit dramatischem Stoff im herkömmlichen Sinn, dass die Jenseits-Sucht von Holländer und Senta erörtert. Und so steht ein Psychogramm zweier zerstörter Seelen im Vordergrund der Inszenierung. Senta beschwört in ihren seelischen Abgründen den Holländer hervor […] Für Senta ist dieses Sehnen nach dem Unendlichen heroisch und tragisch zugleich, und in letzter Konsequenz erlöst sie den Holländer am Schluss, indem sie sich von einem Schiffsmast in den Abgrund stürzt, und der Holländer in diesem Moment zu Staub zerfällt, technisch grandios gelöst.

Andreas H. Hölscher
O-Ton Kulturmagazin
31. März 2019

„Ein Geflecht von Geschichten formt eine Schichtung von Erzählebenen. […] Dijkema gestaltet Aspekte aus, die ein Liebesdrama über Treue, Leidenschaft und Aufopferung zum Vorschein kommen lassen.“

Dijkema gestaltet Aspekte aus, die ein Liebesdrama über Treue, Leidenschaft und Aufopferung zum Vorschein kommen lassen. Dementsprechend erscheint auch der Holländer von Anfang an eher menschlich, ja geradezu bemitleidenswert und weniger furchteinflößend […]
Den Höhepunkt des Bühnenspektakels bildet ohne Zweifel das Geisterschiff, das zu Beginn des dritten Akts sogar für Szenenapplaus sorgt – und das bei Wagner! Nur für einen kurzen Moment auf der Bühne erfüllt es seinen Zweck vollends – an die Rampe geschoben überschattet der Bugmast, weit über den Orchestergraben ragend, locker die ersten sechs bis sieben Reihen des Parketts. Da kann einem nur die Luft wegbleiben. Auf dem Schiff: die untote Mannschaft des Holländers, wie sie umhertollt und die Kanonen bedient. […] Dijkema zeigt schlichte Figurenbeziehungen und verfolgt ein Bildertheater im besten Sinne, das die Magie der Bühnenmaschinerie mit höchster handwerklicher Bravour zum Leben erweckt. Bei Filmen stellt man sich in Zeiten des CGI immer seltener die Frage, wie etwas gemacht wurde. Aber ist dies – bei all dem gelungenen Minimalismus und der gekonnten Psychologisierung – nicht das, was das Theater ausmacht? Der Zauber der Bühne.

Theo Hoflich
Klassik.com
30. März 2019

„coup de théâtre der Extraklasse […] ein großer Erfolg“

Michiel Dijkema, der u.a. schon eine bezaubernde Rusalka inszeniert hat, setzt den Holländer in Szene. Da darf man durchaus einiges erwarten. […] Zur Inszenierung: Dijkema ist ja bekannt dafür, dass er seinem Theateraffen gern Zucker gibt. Ein Clou war schon in der Rusalka das Haus der Baba Yaga, das auf Hühnerbeinen (so wie es sich gehört) auf die Bühne läuft. Hier setzt er noch einen drauf. Die Schlusspointe will ich nicht verraten, aber jedenfalls das aus dem Nebel auftauchende riesige Holländerschiff (wirklich „blutrot die Segel, schwarz der Mast“), das sich weit in das Parkett über die ersten Reihen schiebt, samt Kanonen usw. ist schon ein coup de théâtre der Extraklasse: Begeisterter Applaus auf offener Szene.
Insgesamt eine völlig werktreue Inszenierung; Dijkema traut Wagner und seiner Geschichte, seiner Musik - und vor allem dem Intellekt seines Publikum.
Eine grundsätzlich interessante Idee war es, die Verbindung zur Geschichte von Heine zu betonen. […] Der Abend war ein großer Erfolg. Das Publikum war zu recht begeistert. […] man sollte sich beeilen, Karten zu kaufen. Die Rusalka war z.B. nach der Premiere innerhalb kürzester Zeit für die komplette Spielzeit ausverkauft. Ähnliches prophezeie ich für den Holländer.

Tamino Klassik
Misha
31. März 2019

„sensationell […] eine empfehlenswerte Inszenierung“

Wagners verfluchter Seemann
Die Neuinszenierung des Fliegenden Holländers an der Oper Leipzig besticht durch starke Bilder […] Sensationell ist der aufwendige Einsatz der Bühnentechnik.[…] Die Inszenierung der Oper Leipzig lebt von ihren starken Bildern. Regisseur Michiel Dijkema ist auch Bühnenbildner und betrieb enormen Aufwand für die Gestaltung. So wird die Technik zur Schiffstakelage. Im dritten Akt taucht das Schiff des Fliegenden Holländers im Hintergrund auf und fährt dann sogar bis in den Zuschauerraum vor. Die spektakuläre Szene erntete bei der Premiere spontanen Beifall. […] eine empfehlenswerten Inszenierung

Lucas Wotzka
mephisto976
31. März 2019

„Das ist 3D-Kino vom Feinsten, ohne 3D-Brille.“

Dijkema erzählt das Werk wie gewohnt mit opulenten Bildern. Mit Hilfe der ausgeklügelten Bühnentechnik dreht sich der Chor wellenförmig in seinem ersten Auftritt, dass man vom Zusehen schon seekrank werden kann. Passend zu den Worten des Holländers „voll Überdruss wirft mich das Meer ans Land“ wird der Holländer förmlich mit drei gestrandeten Pottwalen ans Ufer gespült. […] Dass im Bauche eines Wales sich noch der Schatz des Holländers befindet, der, nachdem der Wal aufgeschnitten wird, förmlich herauskullert, ist szenisch beeindruckend dargestellt.
Die Spinnstube im zweiten Aufzug zeigt die Spinnräder als großindustrielle Geräte, überdimensioniert und doch mit Muskelkraft zu bedienen. Große gesponnene Kokons, aus dem am Schluss ein blutroter Schmetterling erwächst, stehen als Metapher für die Metamorphose Sentas und die Analogie zu den blutroten Segeln des Geisterschiffes. Und dieses Schiff ist der absolute Clou des Abends. […] ein Dreimaster mit zerschossenen, blutroten Segeln, Kanonen, Takelage und geisterhaft geschminkte Besatzung. Mit einer technischen und logistischen Meisterleistung wird das erst quer stehende Schiff gedreht, und fährt dann mit dem Bug über den Orchestergraben bis zur Hälfte des Parketts, der Vormast ragt bis in den Rang. Das ist 3D-Kino vom Feinsten, ohne 3D-Brille. […] dieser Holländer hat definitiv das Zeug zum Erfolgsschlager

Andreas H. Hölscher
O-Ton Kulturmagazin
31. März 2019

„Die alte Geschichte wird ziemlich alt erzählt. […] Motto: nur nicht mit Gegenwartsbezügen verschrecken!“

An der Oper Leipzig gibt es einen neuen "Fliegenden Holländer". Die alte Geschichte wird dabei ziemlich alt erzählt. […]
Zum optischen Markenzeichen für den neuen "Fliegenden Holländer", der am Samstag Premiere hatte, dürfte der Dreimaster werden, der im dritten Akt mit geblähten roten Segeln direkt Kurs aufs Publikum nimmt und erst stoppt, als dessen Bugspriet schon über den Köpfen in der siebenten Parkettreihe schwebt. […] Mit der Grundidee hat er Kurs auf Wagner und dabei dessen literarische Quelle, Heinrich Heines „Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“, ins Visier genommen und die häppchenweise ausgiebig auf segelartige Hintergrundprospekte zum Mitlesen projiziert. […] betont altertümlich […] Motto: nur nicht mit Gegenwartsbezügen verschrecken! Also: Das große Opern-Märchenbuch aufschlagen und eine alte Geschichte so erzählen, dass sie möglichst auch so aussieht!
[…] alles fängt mit einem spannenden Effekt an. Da simuliert nämlich die Bühnentechnik aus Scheinwerferbatterien von hinten und von oben, mit Drehbühne und Hubpodien, den Seegang und das Wellenwogen, das man aus dem Graben hört. […] Der Steuermann mit einer Partnerin versehen, die ihn mit Apfelsinenschalen bewirft, so wie es im eingeblendeten Heine-Text vorkommt. Warum Frau Mary eine Augenklappe trägt, das bleibt ihr Geheimnis.

Joachim Lange
Freie Presse / NMZ
1. April 2019

„eine maßgebliche Produktion, die in ihrem offenen Bekenntnis zur Schauderromantik, aber auch einem damit verbundenen schelmischen Augenzwinkern den berühmten, aber selten erreichten goldenen Mittelweg gefunden hat“

Mit einem Augenzwinkern lustvolles Pathos oder einfach – Wagner pur
Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren. Allein daher hat diese Stadt und ihr Opernhaus eine hohe Verpflichtung, dem Meister gerecht zu werden. Am 30. März 2019 feierte man ebendort die Premiere von „Der Fliegende Holländer“ und schuf eine maßgebliche Produktion, die in ihrem offenen Bekenntnis zur Schauderromantik, aber auch einem damit verbundenen schelmischen Augenzwinkern den berühmten, aber selten erreichten goldenen Mittelweg gefunden hat.
[…] Michiel Dijkema hat inszeniert und dabei für eine gewaltige Überraschung gesorgt. Aber zuerst zu den ansprechenden Details: Auf ein Segel projiziert lässt er die Geschichte des Fliegenden Holländers von Heinrich Heine erzählen, der wiederum auf die Memoiren des Herren von Schnabelewopski zurückgreift. Dazu kommen Pottwale mit erigiertem Glied, die wie der Holländer einst vom Meer ausgespuckt wurden, und immer wieder eine altertümliche Ansicht des Innenraums eines Theaters. Es gibt also ein Menge zum Nachdenken, auch über dieses Seemannsgarn, dem der Regisseur im dritten Akt noch eins draufsetzt. Die Mannschaft des Holländers, die ja an sich schon tot ist, wird zum Fest geladen, bei dem der Steuermann die Wacht halten soll. Irgendwann erheben sich die Zombies, wanken zurück ins Dunkel und erscheinen mit ihrem Schiff. Der Applaus war spontan, als brennend rote Segel, zerfetzt von unzähligen Stürmen, ein Schiffsgerippe weit über das Publikum nach vorne trieben. Gänsehaut und Atem anhalten! Es wurde also an nichts gespart, nicht an den Kostümen, die der Entstehungszeit dieser Oper nachempfunden sind, nicht an Effekten, die mit der Musik Wagners ein geschlossenes Ganzes ergeben, und nicht an Pathos, das im Augenblick, als der Holländer zu Staub zerfällt, seinen Höhepunkt erreicht.

Johannes Gans
K&W
2. April 2019

„so etwas Spektakuläres habe ich in meinem ganzen Wagneropern-Liveerleben nie vorher gesehen“

Fliegendes Holländerschiff
Aktuell – und in der Inszenierung und dem Bühnenbild von Michiel Dijkema – tut Biedermeierisches dominieren, was nicht ganz verkehrt zu seien scheint, denn Richard Wagner schrieb sein ungestümes Jugend-Ding in den vorrevolutionären 1840ern […] Noch mehr als das könnten am Ende sogar Heinrich Heines unterschiedliche fliegende Holländer-Auslassungen (z.B. Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski) ideenprägend für den später immer passionierter werdenden Antisemiten gewesen sein. Und nicht von ungefähr greift die Regie daher mit einigen auf stockgefleckter Buchseitentapete vorgeschlagenen Zitaten auf besagtes "Traumgespann" (Heine & Wagner) fingerzeigerisch zurück...
Spektakulärer freilich und noch viel, viel, viel beeindruckender: Die mit einem Mal und so wohl nicht erwartbar gewesene Hervorbrechung des dreimastigen, sechssegligen Riesen-Holländer-und-Geister-Schiffes überm offenen Orchestergraben bis weit ins Parkett hinein – so etwas Spektakuläres habe ich in meinem ganzen Wagneropern-Liveerleben nie vorher gesehen; es gab hierfür Szenenapplaus, und die Smartphones fingen (völlig ungeachtet ihres urheberrechtlich bedingten Foto-Film-Verbots) zu knipsen und zu filmen an. Sensationeller bühnenbildnerischer Coup!!!!! […] Total-Begeisterung am Schluss; rhythmisches Klatschen

Andre Sokolowski
Kultura Extra
31. März 2019

„es ist interessant über diese kontrastierende Herangehensweise zu reflektieren“

The most noteworthy absence, however, is of the vessel of the title, with its vaunted blood-red sails. It is interesting to reflect on the contrasting approach of the new production in Leipzig by Michiel Dijkema, who makes the Act 3 appearance of the ship the central coup de théâtre of the show. Girard apparently views the Flying Dutchman and even its crew (prerecorded in parts) as essentially imaginary appendages of its troubled skipper.

Arthur Kaptainis
Opera Voice America
6. August 2019

„das gehört zum Beeindruckendsten, was ich je auf einer Theaterbühne gesehen habe“

Dijkema verzichtet konsequent auf jegliche Aktualisierung der Handlung, was er im Programmheftbeitrag plausibel damit begründet, dass Sentas romantische Schwärmerei im 19. Jahrhundert glaubhafter sei als in unserer Zeit. Überdies bricht er das Werk ironisch, indem er beispielsweise Auszüge aus einem Romanfragment Heinrich Heines auf die Bühne projizieren lässt und so eine Art Theater im Theater aufbaut.
[…] Dijkema greift in die Vollen: Da zeigen gigantische Spinnräder die Industrialisierung, imposante Wale werden mit dem Holländer an Land gespült – allerdings nicht mit Plastik, sondern Goldschätzen im Bauch -, und am Ende zerfällt der Holländer dramatisch zu Staub. Dazwischen fahren Kulissenzüge wie Takelage auf und ab, die Drehbühne dreht, hebt und senkt sich im Seegang und Leinwände zeigen beeindruckende Projektionen.
Und dann ist da natürlich noch das Schiff, jenes Geisterschiff mit blutroten Segeln, das der Förderkreis der Oper Leipzig mit sagenhaften 100.000 € finanziert hat. Wie es im dritten Akt auf die Bühne geschoben wird, bis es weit in den Zuschauerraum hineinragt, gehört zum Beeindruckendsten, was ich je auf einer Theaterbühne gesehen habe. Nicht nur ich: Kaum taucht das Schiff aus dem Bühnennebel auf, werden Handys gezückt, um den Effekt mitzufilmen, es wird geraunt, und am Ende gibt es sogar Szenenapplaus – für Bühnentechnik! Das ist sicherlich übertrieben, aber zugegebenermaßen auch ganz großes Kino. […] Leipzig hat also wieder einen „Fliegenden Holländer“, der vor allem durch atemberaubende Bilder besticht, das etwas abgetakelte Geisteropern-Schiff durch eine leicht ironische Sicht der Dinge wieder flott macht.

Frank Sindermann
Brahmsianer
2. Juni 2019

„Michiel Dijkema ist kein naiver Dekorationskünstler […] Materialschlacht mit Ironie“

Die Materialschlacht, das große Spektakel, ist eine Eigenproduktion, ein Hochfest der Bühnentechniker, die mit Szenenapplaus gefeiert werden. Dass die müde, abgestorbene Mannschaft des Holländers in einem historischen Segelschiff auffährt, in einer morschen Barke, die ihre blutroten Segel bis weit in die ersten Parkettreihen ausbreitet, dass die Matrosen mit Pulver und Feuer die Schiffskanonen für ein Gefecht vorbereiten, einen solches Piratenstück, ein solches Spektakel weckt auch die müden Greise im Publikum auf. Ja, und wenn dann Jäger Erik mit der Flinte in der Hand Senta aus dem Bett des Holländers, des bleichen Mannes, der schon halb verwest ist, zerrt, dann wird es richtig gruselig. Nicht genug damit. Im Erlösungswahn fährt Senta in den Bühnenhimmel, stürzt sich hinunter („treu bis in den Tod“), – und der gespenstige Holländer zerfällt zu Asche, und Flintenmann Erik hat im Wortverstande das Nachsehen.
Selbstmord, Zerfall zu Asche, filmreifes Piratenschiff sind beileibe nicht die einzigen spektakulären Szenen. Zusammen mit verendeten Walen hat das Meer den Holländer aufs Land geworfen. Die Bäuche der Wale sind voll gestopft „mit Schätzen aller Art“. Im zweiten Aufzug gibt’s eine halbe Hundertschaft von Spinnerinnen in historischen Kostümen aus dem frühen 19. Jahrhundert zu besichtigen. Jäger Erik trägt als Zeichen seiner Zunft einen erlegten Hasen auf dem Rücken. Das angebliche Bild des Holländers, das Senta mit sich herumträgt, ist eine schwarze leere Tafel. Ja, und jetzt wissen es alle im Publikum: Sentas Erlösungswahn ist nur die Spinnerei einer überdrehten jungen Frau.
Man täte Michiel Dijkema, in Personalunion für Inszenierung und Bühne verantwortlich, sicherlich Unrecht, wenn man ihn zum Theatermacher aus der Welt von Vorgestern machen würde. Natürlich ist er kein naiver Dekorationskünstler. Er sucht seine Materialschlacht mit Ironie aufzulösen – mit der Ironie eines Heinrich Heine. In diesem Sinne will er nicht nur Wagners Holländer, sondern zugleich dessen Subtext, Heines Variante des Mythos („Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski“) in Szene zu setzen und zwar so, dass sich beide Texte überlagern. […] Heines und Wagners Varianten des Holländer Mythos ineinander übergehen zu lassen, das ist zweifellos eine originelle Grundkonzeption.
[…] Es war ein spannender und unterhaltsamer Abend.

Zerlina von Faninal
Operntagebuch
20. Mai 2019

„am Ende eine kontradiktorische satirische Apotheose“

Is sanity making an operatic comeback? Surely not in Germany, you say, where “innovative” productions still have a firm hold on the houses and the headlines. Yet a generally comprehensible (and, in showbiz terms, spectacular) new staging of The Flying Dutchman has turned up in the capital of Saxony.
[…] To judge by the cheers heard after the performance on May 12, the operagoers of Leipzig are pleased with the approach of Michiel Dijkema (who is Dutch himself). Indeed, they could not resist the temptation in Act 3 to applaud the emergence from the fog of a ship with blood-red sails, a coup de théâtre that might stand comparison with the landing of the helicopter in Miss Saigon or the collapse of the chandelier in The Phantom of the Opera. It was a striking sequence, and not the only one. […] The idealism of Wagner’s heroine is central to the story. Dijkema might prefer satire, but his assignment was to stage Wagner, not Heine. There is also a satirical reverse apotheosis at the end, achieved with further theatrical effects

Arthur Kaptainis
My Scena
17. Mai 2019

„ein Holländer, der in Opulenz und Kreativität im größeren Umkreis derzeit kaum Konkurrenz haben dürfte“

Mit dem niederländischen Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema hatte man einen Künstler ausgewählt, der nicht nur in Leipzig schon einige bildstarke und überraschende Lösungen auf die Bühne gebracht hatte. Auch dieses Mal blieb er seinem Ruf treu und ließ einen Holländer vom Stapel laufen, der in Opulenz und Kreativität im größeren Umkreis derzeit kaum Konkurrenz haben dürfte. […] lustvolles, mitunter märchenhaftes Spiel mit den technischen und vor allem bildhaften Mitteln des Theaters. […] die Ohren und Augen waren in Leipzig an diesem Abend ständig staunend im Totaleinsatz […] eine Theaterwelt inspiriert von der, die Heinrich Heines Herr von Schnabelewopski so ähnlich im frühen 19. Jahrhundert erlebt haben dürfte. Diese literarische Vorlage nahm der Regisseur zum Ausgangspunkt für seine Lesart des Stückes. Herr Schnabelewopski erscheint uns hier als der Steuermann, und auch die in der Erzählung beschriebene Liaison mit dem blonden, Orangenschalen werfenden holländischen Meisje dürfte erstmals in einer Holländer-Inszenierung zu sehen gewesen sein. […] Wenn der Steuermann einschlummert, stranden neben ihm nicht nur der Holländer, sondern auch gleich drei veritable Pottwale, die sofort an Kapitän Ahab und den diabolischen Moby Dick denken lassen. Dass der Holländer die Schätze für Daland aus dem Bauch des einen Wales zaubert, ist einer der Überraschungscoups

S. Mauß
Das Opernglas
05/2019