SVANDA DUDAK
(SCHWANDA DER DUDELSACKPFEIFER)

VOLKSOPERA IN TWEE BEDRIJVEN VAN JAROMÍR WEINBERGER


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FOTOSELECTIE VOLGT OP EEN LATER MOMENT

foto’s © Karl und Monika Forster 2019


PRODUCTIE 

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen
intendant: Michael Schulz
première: 15 juni 2019

muzikale leiding: Giuliano Betta
regie / decor: Michiel Dijkema
kostuums: Jula Reindell
licht: Thomas Ratzinger
choreografie: Denis Untila
dramaturgie: Anna Chernomordik

Schwanda: Piotr Prochera
Dorota: Ilia Papandreou
Babinsky: Uwe Stickert
Königin: Petra Schmidt
Magier: Michael Heine
Teufel: Joachim G. Maaß
Scharfrichter / Des Teufels Famulus: Tobias Glagau
Richter / Höllenhauptmann: Jiyuan Qiu
1. Landsknecht: Jiyuan Qiu / Benjamin Hoffmann
2. Landsknecht: John Lim / Robert Brouwer

koor: Opern- und Extrachor des MiR
orkest: Neue Philharmonie Westfalen
figuratie: Statisterie des MiR


IN DE PERS

VERTALING VOLGT OP EEN LATER MOMENT

„meisterlich überzeugende und phantasievolle Arbeit […] das Premierenpublikum stand vor Begeisterung und Jubel praktisch auf den Stühlen“

Das Regie-Team um Michiel Dijkema (wir erinnern uns noch an seine tollen Hoffmanns Erzählungen am gleichen Haus) hat wieder meisterlich überzeugende und phantasievolle Arbeit geleistet. Man bewahrt den märchenhaften Charakter der Vorlage ohne modernisieren zu wollen. Regie und Bühne stellen sich verantwortungsvoll unter den Schirm der Werktreue und überzeugen mit bunten, herrlichen Kostümen, einem fabelhaft und beeindruckend wechselnden Bühnenbild und tollen Lichteffekten.
[…] Die als Zwischenvorhang fungierende Leinwand bleibt bei der Ouvertüre und den Zwischenspielen zu […] Sie ziert die einfache Zeichnung eines Dudelsacks, die zur daneben liegenden alten anatomischen weiteren Strichzeichnung des Herzen enorme Parallelen aufweist. Was für ein schönes Bild
[…] Fazit: Diese Oper in solch liebevoller Inszenierung ist auch musikalisch eine Entdeckung und jede Anreise wert. Sie verdient unbedingt einen festen Platz im Repertoire. Uns ist diese tolle Produktion, die auf allen Ebenen unterhält und überzeugt einen OPERNFREUND-STERN wert. Wir folgen damit dem begeisterten Freudentaumel des Premierenpublikums im leider nur halbverkauften Haus, welches vor Begeisterung und Jubel praktisch auf den Stühlen stand. So ergeht mein Schluss-Appell: Opernfreunde und Liebhaber schönen Musiktheaters! Bitte fahrt nach Gelsenkirchen. Es lohnt sich sehr. Schöner, fröhlicher, mitreißender und liebevoll charmanter sah man selten eine Opernproduktion. Diese köstliche Ausgrabung macht Spaß und ist auch die weiteste Anreise wert.

Peter Bilsing
Der Opernfreund
18. Juni 2019

„szenischer Zauber […] visionäre Bühne“

Ein teuflisch gutes Spektakel
Jaromír Weinbergers Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ besticht am MiR durch szenischen Zauber und musikalische Würze.
[…] Szenisch glückt dem niederländischen Regisseur Michiel Dijkema kongenial ein bildmächtiges Spektakel. So schlüssig durchdringen sich in seiner Inszenierung Märchenzauber und böhmische Sagenwelt, dass der Jubel eines begeisterten Premierenpublikums kaum enden mochte. […] Grandios gelingt Dijkema die fröstelnd stimmende Szene der Eiskönigin in der Gewalt eines diabolischen Magiers. Auf der Richtstatt mit riesiger Glocke liegt ein geköpfter griechischer Held. Das Henkerbeil ist in einen Holzblock gerammt. Und unablässig rieselt der Schnee – bis Schwanda mit seiner Musik die Erstarrung löst. Der Eiskönigin gibt er sich so willig hin, dass ihn der Teufel holt, als unvermittelt seine verlassene Dorota auftaucht. Mit Szenenbeifall reagiert das Premierenpublikum auf die glutrote Teufelspyramide mit einem prächtig auftrumpfenden Chor. Und wie in der Szene der Eiskönigin, in der er zum Gelächter des Volkes das Henkerbeil mit einem Besen vertauscht, rettet Babinsky den Gefährten Schwanda vor dem Verderben. Diesmal pokert er noch gerissener als der Teufel um Schwandas Seele. Kahl ist die Bühne, verschwunden sind die symbolträchtig aufblühenden Blumen, als Schwanda zu seiner Dorota heimkehrt, um sich im kleinen Glück zu bescheiden. […] Nicht nur Dijkemas visionäre Bühne und Jula Reindells prächtig folkloristische, alles andere als verkitschte Kostüme begeistern.
[…] hinreißend komödiantisch

Bernd Aulich
Recklinghäuser Zeitung
17. Juni 2019

„Bilder, die dem Publikum manch erstauntes Raunen, ja sogar spontanen Szenenapplaus entlocken“

Diese Oper ist ein Kuriosum. Ihr Titelheld, Schwanda, ist ein spielfreudiger Dudelsackpfeifer aus einem südböhmischen Dorf. Aber aus seinem Instrument klingt bis zum Schluss nicht ein einziger Ton. Vielmehr zieht das Orchester alle Register, wenn der sagenumwobene tschechische Wundermusiker auf der Bühne die Backen aufbläst. Statt brummender Borduntöne und durchdringender Pfeifen dringt Symphonisches ans Ohr: folkloristische Melodien und feurige Tanzrhythmen, dicht verwoben in die üppige, teilweise expressiv aufgeraute Sprache der Spätromantik.
Im Gelsenkirchener Musiktheater erhielt die einst höchst populäre Oper jetzt heftigen Premierenbeifall. […]der niederländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema findet spektakuläre optische Entsprechungen für Weinbergers farbige und lebenspralle Musik. In diese Partitur hat der 31-Jährige Komponist solche Mengen verschiedener musikalischer Stile gegossen, dass sie schier aus allen Nähten platzt. Dijkema setzt sie in Bilder um, die dem Publikum manch erstauntes Raunen, ja sogar spontanen Szenenapplaus entlocken. Der Räuber Babinsky überredet Schwanda zu einer abenteuerlichen Reise, die ihn vom bäuerlichen Zuhause ins Reich der Eiskönigin und schließlich in die Hölle führt. In Gelsenkirchen entwickelt sie sich zu einem Farb- und Kostümrausch sondergleichen.
Mit seiner an phantastischen Stoffen geübten Hand entwirft der Niederländer märchenhafte, großartige Tableaus. Er lässt den Chor, als Untertanen der Eiskönigin in leuchtend blaue Kostüme gekleidet, so lange in erstarrter Pose verharren, bis Schwandas Dudelsackspiel das Menschenmeer in Bewegung bringt. Zur zauberischen Atmosphäre trägt auch die Beleuchtung bei, der die aufwendig und mit größter Liebe zum Detail gestalteten Röcke, Mäntel, Häubchen und Zylinder auf schneebedecktem Grund zum Strahlen bringt.
Über die meterhohe Pyramide aus dicht gedrängten Teufeln und über die große Höllenfuge, bei der Satan persönlich versucht, dem Dudelsack ein paar brauchbare Töne zu entlocken, sei hier nicht allzu viel verraten. Für Auge und Ohr gibt es reichlich zu tun, bis Schwanda mit Hilfe des Räubers Babinsky den Weg zurück zu seiner geliebten Frau Dorota findet. Wo sich das Stück an Motive aus Faust, Orpheus und Robin Hood anlehnt, mag ein jeder für sich herausfinden.

Anke Demirsoy
Revierpassagen
22. Juni 2019

„Die Inszenierung ist nicht weniger als ein Triumph. […] auch im Detail immer liebevolle und schlüssige Personenregie mit viel Freude am Humor“

Am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier wird Jaromír Weinbergers fast vergessenes Meisterwerk zum Opernfest.
Ganz am Schluss steht der Chor in Alltagskleidung vorne an der Rampe. Dahinter senkt sich ein Hänger, auf den erst „Daheim – Apotheose“ projiziert wird, dann folgen Bilder aus der Gelsenkirchener Innenstadt. Gut wiedererkennbare Motive, aber keine Postkartenansichten. Das könnte reiner Regional-Kitsch sein. Am Ende eines großen, eines hochemotionalen und wunderbaren Opernabends verfehlt es seine Wirkung nicht.
Die Inszenierung ist nichts weniger als ein Triumph. […] das ist in diesem Fall gewiss eine Herausforderung, denn so fantasievoll sind Musik und Story, dass die Inszenierung einiges aufbieten muss, um da nicht schwach zu wirken. Dijkema gelingt es. Im bezaubernden Garten am Beginn genauso wie im schneeverwehten Reich der Eiskönigin, wo beim Klang des Dudelsacks plötzlich wie von Zauberhand bunte Blumen aus Röcken, Jacken und Frisuren blühen. Unangefochtenes Highlight des Abends ist dann der sich bis in den Schnürboden türmende Berg aus den höllischen Heerscharen.
Es ist aber nicht nur eine überwältigende Bildwelt, sondern auch im Detail immer liebevolle und schlüssige Personenregie mit viel Freude am Humor des Librettos und an der Komposition.
[…] Allein technisch ist dieser Abend auf einem Niveau, das sich locker mit den ganz großen Opernhäusern messen kann.

Honke Rambow
Kultur West Magazin
06 /2019

„Dijkema bringt sein Publikum immer wieder zum Staunen“

Michiel Dijkema findet ganz wunderbare Bilder für die vier Szenen, die zu erleben sind. Er setzt auf die Wirkung farblicher Kontraste. Tiefschwarz bleibt der Bühnenhintergrund. Umso deutlicher zeichnen sich auf ihm die bunten Blumen des heimischen Gartens von Schwandas und Dorotas Heim ab; eindrucksvoll und üppig fällt der weiße Schnee im Reich der Eiskönigin mit dem furchteinflößenden Hauklotz, auf dem unliebsame Delinquenten exekutiert werden.
Der Clou dieser Produktion ist aber die Ausgestaltung der Hölle durch Dijkema, der neben der Regie auch verantwortlich für das Bühnenbild zeichnet. Als sich der Vorhang zum dritten Bild - eben jener Hölle - öffnet, ist eine große, meterhohe rote Pyramide zu sehen und es bedarf eines Augenblicks genauen Hinsehens, bis man feststellt, dass die Konstruktion von lauter roten Teufeln höchst unterschiedlicher Gewandung bevölkert ist. Spontan brandet Applaus des Publikums auf. In der Mitte der Teufelsschar hockt der Höllenfürst höchstpersönlich auf seinem Thron.
[…] So sind Märchen eben, die Regisseur Dijkema dem Publikum durch seine ausgefeilten, schönen Bilder erschließt. Dafür dankt es ihm das Publikum mit viel Applaus. […] Außerdem wäre zu fragen, ob der doch recht simple Märchenstoff über einen Abend wirklich genug Stoff bietet, um ein Publikum zu fesseln. Regisseur Dijkema gelingt es, diese inhaltliche Simplizität mit eindrucksvollen Bildern zu überspielen und sein Publikum immer wieder zum Staunen zu bringen.

Thomas Hilgemeier
theater:pur
16. Juni 2019

„überbordende Spielfreude […] der Applaus wollte schier kein Ende nehmen“

[…] das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier setzt ein mutiges Zeichen, indem es das bisher völlig unbekannte eklektizistisch-spätromantische Werk um einen Dudelsackpfeifer namens Schwanda erstmals in Gelsenkirchen präsentiert - in der deutschen Fassung von Max Brod, erstaufgeführt 1928 in Breslau. Mit durchschlagendem Erfolg: der Applaus nach der knapp dreistündigen Premiere am 15. Juni 2019 wollte schier kein Ende nehmen.
In der anmutigen, blumenübersäten, vor dunklem Hintergrund regelrecht leuchtenden Landschaft des niederländischen Bühnenbildners und Regisseurs Michiel Dijkema (Die Zauberflöte, Nahod Simon, Hoffmanns Erzählungen) staken zwei Landsknechte in klirrenden Ritterrüstungen umher. Sie sind auf der Suche nach dem Räuber Babinsky, der sich auf der Flucht vor dem Gesetz ausgerechnet im Haus des Schwanda versteckt. „So jung und schon vergeben“: Sogleich bandelt er mit dessen hinreißend fröhlicher, ihm gegenüber völlig zu Recht misstrauischer Frau Dorota an.
Um ihr Herz gewinnen zu können, lockt er ihren in warmes Orange gehüllten Gatten zur Eiskönigin, um diese durch sein herzerwärmendes Dudelsackspiel vom Einfluss des Magiers zu befreien – mit dem Ziel, dass Schwanda die Königin heiratet und er bei Dorota freie Bahn hat. Zum Glück geht der Plan nicht auf, zuvor aber muss der musikalische Bauernheld noch durch das Fegefeuer, in dem sich der Teufel zu Tode langweilt.
Am Ende der turbulenten und so auch inszenierten Abenteuerreise steht fest: Mit der Kraft der Musik kann man der Gewalt trotzen. Obwohl dank der überbordenden Spielfreude gerade auch des Chores und der phantastischen Ausstattung die Hölle im dritten Akt als der attraktivere Himmel erscheint, ist es daheim dann doch am schönsten.

Pitt Herrmann
Hallo Herne
20. Juni 2019

„voller Lust und Hingabe […]
Wirklich sensationell gelungen!“

Das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen geht mal wieder typische Wege. Mit „Schwanda der Dudelsackpfeifer“ feierte eine Oper Premiere, die eher selten auf den Spielplänen steht. Der Stoff von Jaromir Weinberger wurde von Regisseur Michiel Dijkema höchst unterhaltsam und klasse szenisch umgesetzt.
Es ist inhaltlich eine Mischung aus Robin Hood, einem typischen Märchenstoff und dem stets vorhandenen Drang nach Ruhm, Geld und Karriere. […] Was zunächst der Zeit typisch anfängt, die Oper hatte Ende der 1920er Jahre ihre Uraufführung, steigert sich in eisige Phantasiewelten bis hin zu einer phänomenalen Höllendarstellung. […] Wirklich sensationell gelungen! Von der ländlichen Blumenwiese geht es in das Reich der Eiskönigin, in den zweiten Akt. Hier schlägt beinahe die letzte Glocke für die beiden, ehe Babinsky zu Hilfe eilt.
Der Fantasie freien Lauf lässt auch der dritte Teil, die Hölle. Wow, was für eine Szene! Der Teufel dirigiert seinen Teufelsberg, voll mit verlorenen Seelen, die ihm gehören. Schwanda gerät hier unglücklich hinein. Der Opern- und Extrachor des MiR leistet hier ganze Arbeit. Auch wenn Schwanda dem Teufel zum Opfer fällt, bleiben möchte er hier nicht, und gehorchen schon gar nicht. Das Geschehen und die Darstellung sind insbesondere hier sensationell. Es ist jedoch wieder Babinsky, der den Teufel überlistet und dem Bauernpaar die Liebe zurück gibt. Diese feiern sie anschließend ganz zeitgenössisch in den projizierten Straßen von Gelsenkirchen. Szenisch sind wirklich tolle Ideen verarbeitet worden.
[…] Die Sängerinnen und Sänger interpretieren ihre Rollen voller Lust und Hingabe. Man merkt ihnen den Spaß an der Arbeit an.

Holger Jehle
Abenteuer Ruhrpott
15. Juni 2019

„Eine lohnende Begegnung mit dem lange Zeit vergessenen Kassenknüller.“

Jubel für die sehenswerte Rarität: Die Märchenoper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ von Jaromír Weinberger begeistert das Premieren-Publikum.
Jaromír Weinbergers Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ gehört zu den vielen Märchenopern des frühen 20. Jahrhunderts, die ihrerzeit Riesenerfolge erzielten, aber nach dem Krieg nahezu in Vergessenheit gerieten. Am Musiktheater im Revier erweist sie sich als effektvolles, unterhaltsames Werk mit Repertoirequalitäten. […]
Das mindert kaum den Unterhaltungswert des Stücks um den Musikus Schwanda, der auf seinem Dudelsack die Menschen und Fabelwesen genau so betören kann wie der legendenhafte Orpheus. Glücklich ist er mit Dorota verheiratet, bis sich Babinsky, ein Räuber mit Robin-Hood-Gesinnung, für die Dame interessiert und Schwanda davon überzeugt, in die Welt zu ziehen und mit seinem Spiel berühmt zu werden. Das versucht Schwanda auch, erleidet freilich bei der Königin Eisherz ebenso Schiffbruch wie in der Hölle.
Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema stellt den naiven Märchencharakter des Zweiakters ohne jeden Hang zu aktualisierten Anspielungen in den Mittelpunkt, wobei die Bühnenoptik zusammen mit den fantastischen Kostümen für ein prall-buntes Theatererlebnis sorgt. Ob die kalte Bläue im Schloss der Eis-Königin oder das gemütliche Idyll in Schwandas Heimat: Mit einer brillanten Licht-Regie und Farbe in Überfülle werden Erinnerungen an die Kindertage wach. Gipfelnd im überwältigenden Szenario der Hölle, bestehend aus einer riesigen Menschenpyramide.
[…] Eine lohnende Begegnung mit dem lange Zeit vergessenen Kassenknüller. Das Premieren-Publikum war begeistert.

Elisabeth Höving
Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ)
17. Juni 2019

„Teuflisch gut! […] Große Begeisterung; tosender Applaus.“

Teuflisch gut! Schwanda im MiR Gelsenkirchen: Mit tosendem Applaus in gut besetztem Haus, wurde eine großartige Premiere im MiR bejubelt, die auf allen Ebenen überzeugte […] Dass dies heitere und in seinen sinfonischen Passagen ungewöhnlich brillante Musikwerk Schwanda der Dudelsackpfeifer so selten gespielt wird, liegt keinesfalls an einer fehlenden Repertoirefähigkeit des Stückes, wie die aktuell im MiR in Gelsenkirchen zur Diskussion gestellte Aufführung beweist, sondern ist eher mit der tragischen Biographie des Komponisten verbunden.
[…] Eine charmante Begrüßungsidee: Auf den geschlossenen Vorhang werden zwei Lehrbuchzeichnungen projiziert. Die Skizze eines Dudelsacks und eines menschlichen Herzens. Neben den erstaunlich ähnlichen Umrissen wird damit auch das Thema des Abends vorgestellt: Musik und die menschliche Seele sind im Grunde eins. […] Der Vorhang hebt sich über einem böhmischen Bauernhausgarten, Teil des Heims von Schwanda, dem lustigen Dudelsackspieler und seiner Frau Dorota. Mit wenigen Elementen farbenprächtig angedeutet, strahlt die Szene vor einem dem den ganzen Abend schwarzen Hintergrund. […] Das zweite Bild spielt am Hof der Königin, die, nachdem sie von einem Zauberer viel Schmuck, aber auch ein Herz aus Eis statt ihres eigenen erhalten hat, melancholisch geworden ist. Dichter Schnee fällt auf eine grausige Szene: Wir sehen ein Schafot, auf dem die Leiche eines enthaupteten Prinzen liegt, der es gewagt hatte um die Hand der Königin zu werben. Erstarrt verharren Königin und Hofstaat […] Spontaner Beifall für die Bühne, wenn sich der Vorhang hebt: Pyramidenartig erhebt sich ein bis zur Bühnendecke reichender Turm aus wilden, rotgewandeten teuflischen Höllenknechten, in deren Mitte auf einem Thron der Teufel selbst sitzt. Farbenprächtig und strahlend; ein Augenschmaus! […]
Der stimmgewaltige, ausgezeichnet geführte Chor betritt in Alltagskleidung die Bühne und singt zusammen mit Schwanda und Dorota das Heimatlob: „Auf unserem Hofe daheim hört man die Gänse schrein…“, während im Hintergrund Stadtansichten von Gelsenkirchen bühnenfüllend eingeblendet werden. Große Begeisterung; tosender Applaus.

Ingo Hamacher
IOCO
19. Juni 2019